Immer mehr Menschen nutzen Smartphones. Immer mehr davon möchten immer weniger Aufwand mit den Kleinigkeiten des Alltags haben, weshalb immer mehr davon zu den Diensten von Digital-Startups greifen. Eine der neuen Dienstleistungen ist Musik-Streaming: Laut MacGadget.de verwenden bereits über 44% der über 14 jährigen Internetnutzer einen Streaming-Dienst. Was sind die Folgen für die Musikindustrie und wie wirkt sich diese Trendwende auf den privaten Musik-Konsum aus?

Auch ich habe mich dem Trend bereits angeschlossen – auf meinem Handy und am Laptop liefert Apple Music die fast unbegrenzte musikalische Vielfalt zum Festpreis. Aufmerksam geworden bin ich auf den Dienst, da mir Apple einen Studentenrabatt anbot: Für 5€ im Monat den gesamten Bestand an iTunes-Musik auf allen Geräten synchron halten und noch dazu alles, was der Store anbietet, streamen. Den Dienst nutze ich täglich und bin mit der Tonqualität sehr zufrieden. Für mich gab es eingangs eine “Kosten-Nutzen-Rechnung” zu bedenken: Wenn ich jeden Monat 5 neue Titel in die Mediathek aufnehme, “rentiert” sich der Abschluss des Abonnements (unter Annahme, dass ein Titel ungefähr einen Euro im Download kostet). Die Musik kann entweder direkt “gestreamed”, oder als verschlüsselte Datei heruntergeladen werden, wo sie am PC nur in iTunes oder am Handy nur in der Musik-App zur Verfügung steht. Der Kauf von Titeln ist weiterhin möglich, diese können dann auch wie gewohnt auf CDs gebrannt oder auf einem MP3-Player gespeichert werden.

Mein Fazit nach 4 Monaten Apple Music ist insofern erst einmal positiv: Ich habe Zugang zu einer großen Menge an Musik und kann jederzeit etwas vollkommen neues herunterladen, ohne alles einzeln bezahlen zu müssen. Noch dazu habe ich den in das Abo integrierten Sync-Service, der auch anderswo gekaufte oder selbst produzierte Musik über alle Geräte hinweg synchronisiert, sodass ich immer alle Titel überall habe. Ein Anschließen des iPhones an den Laptop und manuelles Kopieren der Songs entfällt nun also – endlich!

Der Markt für Musik-Streaming ist umkämpft: Gleich 6 Anbieter listet Statista.de in einer Infografik auf. Demnach habe Spotify den weltweit größten Marktanteil, gefolgt von Apple Music. Dahinter duellieren sich Amazon Music und Deezer um den dritten Platz, während der Streaming-Dienst der einst so erfolgreichen Musiktauschbörse Napster auf dem fünften Platz landet. Schlusslicht mit nur 1% Marktanteil ist demnach Tidal, welches von einer schwedischen Firma gegründet und 2015 von Rapper Jay Z übernommen wurde.

Im Alltag begegne ich Musikstreaming immer häufiger: Sei es morgens in der S-Bahn, wo selbst Menschen höheren Alters mittlerweile diese Dienste nutzen (kaum noch ein Fahrgast im Zug hat keinen Kopfhörer auf und hört Musik, oft Streaming, auf dem Handy) oder sogar in professionellen DJ-Kreisen, wo mittlerweile über den Einsatz von Streaming-Plattformen auf Partys diskutiert wird. Gerade DJs im Bereich Hochzeitsunterhaltung profitierten demnach vom Einsatz des Streaming: Unerfüllte Musikwünsche gehören der Vergangenheit an. Solange man genug mobiles Internetvolumen oder gar einen DSL- oder Kabelanschluss an der Location hat, ist mit der passenden Software und Lizenz das Mixen mit Millionen von Tracks möglich. Diese Software liefert der deutsche Hersteller Algoriddim: Mit Djay auf Mac OS, Windows sowie iOS ist es möglich, Musik von Spotify zum Auflegen zu verwenden. Voraussetzung ist ein Premium-Account beim Streaming-Dienstleister.

Kritiker bemängeln, dass mit dem Einzug des Streaming in die DJ-Booth eine weitere Hürde für Amateure und Stümper gefallen sei: Die Qualität der DJ-Branche leide unter der Vereinfachung des Arbeitsmittels. Ich persönlich glaube nicht, dass ein guter DJ nur an seinem Arbeitsgerät gemessen werden kann: Fähigkeiten sind wesentlich wichtiger als Equipment.

Für die Musikindustrie bedeutet diese Umwandlung des Konsumverhaltens eine bedeutende Veränderung: Eine vollkommen neue Methode der Honorierung von Künstlern musste erfunden werden. Statt wie Früher nur an CD-Verkäufen verdienen Künstler nun auch an Wiedergaben über Streaming-Dienste. Die Balance muss hier gefunden werden: Quantitativ steigt die Reichweite eines Titels durch das Streaming, der Anteil der einst lukrativen Verkäufe jedoch geht zurück. Laut Musikindustrie.de war im Jahr 2016 erstmals der Umsatz-Anteil in Deutschland durch Streams der zweithöchste hinter physischen Medienverkäufen. Die Folge ist auch eine Veränderung der Werbung für Musik: Digitale Medien werden verstärkt als Werbeumfeld genutzt, beispielsweise YouTube gewinnt als Medium für Musik-Werbung an Bedeutung.

Insgesamt hat das Streaming also weitreichende Folgen für Konsumenten und Produzenten in der Musikindustrie. Da immer mehr Menschen auf “Convenience” setzen und statt einer umfangreichen Plattensammlung lieber ihre Musik immer und überall am besten Kabellos hören können, wird der Marktanteil der Streaming-Dienstleister wohl zukünftig noch weiter ansteigen. Für Musiker ist die Trendwende auch positiv, da durch den vereinfachten Zugang zu ihrer Musik diese häufiger und vor allem von einer größeren Zielgruppe gehört werden kann. Eine Win-Win Situation also?