Die elektronische Musik ist im Wandel. Schneller als andere Genres? Was liegt zwischen den Pionieren der 70er („Kraftwerk”) und der heutigen DJ-Kultur, die theoretisch einem 12-jährigen mit Laptop ermöglicht, der bekannteste Musiker der Welt zu werden?

Als Ralf Hütter und seine Freunde in den frühen 70er Jahren des 20. Jahrhunderts anfingen, in ihrer Freizeit an elektrischen Musikinstrumenten zu basteln und experimentelle Musik darauf zu komponieren, hätten sie noch keine Ahnung, was sie in Bewegung setzen würden. Dass eines Tages mehr elektronische als „organisch erzeugte” Musik im Radio gespielt würde, wussten sie nicht (Dass es jeden Tag die gleichen 5 Titel sein würden, war damals undenkbar). Aus den bastelnden Hobbyisten wurde die bekannteste Elektro-Band des 20. Jahrhunderts, vielleicht aller Zeiten – Mit ihrem futuristischen Sound bildeten Kraftwerk die Basis aller modernen Elektro-Genres wie Techno, House, Dubstep und viel mehr. Festivals wie Tomorrowland, Electric Daisy Carnaval und Ultra Miami wären nie entstanden.

Elektronische Musik ist weit mehr als nur „Wub Wub Uftata Uftata” – Mit modernen DAW-Programmen lassen sich nahezu alle in diesem Universum existierenden Klänge imitieren und über ein Keyboard einspielen. Entsprechend hoch sind die Ansprüche, die an Produzenten gestellt werden – möchte man meinen. Tatsächlich geht es oft lediglich darum, möglichst eine Melodie zu komponieren, die den „Nerv” trifft und in die Beine geht, die Auswahl der Instrumente ist wahrscheinlich gerade aufgrund der Vielfalt oft zweitrangig. Grundsätzlich setzt jedoch auch die digitalisierte Popmusik weiterhin auf Blechbläser, Gitarren und Klavier während im Dance-Bereich (größtenteils) immer noch Synthesizer zum Einsatz kommen, die auch nach Synthesizer klingen. Im Bereich der klassischen Musik eröffnen die modernen Softwareprodukte das Einspielen eines kompletten Orchesters über eine einzige Midi-Klaviatur und ebnen so den Weg für unabhängige Komponisten, ihre Musik über das Internet zu publizieren und ein breiteres Publikum zu erreichen. Musikproduzent ist kein exklusiver Beruf mehr, sondern kann zum Hobby werden: Ein kleines Home Studio passt in jede Wohnung und mit Kopfhörern bleibt auch in hellhörigen Häusern die Stimmung im grünen  Bereich.

Mit ein wenig Einarbeitung und Talent oder durch Übung erarbeitetem Können ist so heutzutage jeder, der (oder die) einen Laptop oder Desktop-Rechner besitzt, ein potenzieller Weltstar. Sicherlich sind DAWs nicht billig (Beispiel Logic Pro: 199€), aber verglichen mit dem, was andere Hobbys kosten, ist diese einmalige Investition zu verkraften.

Jede neue Generation von Musikern und Hörern verändert den Stil und den Kunstbegriff etwas. Mit Sicherheit würden sich Musiker wie Wolfgang Amadeus Mozart über die heutige Musik wundern, genauso wie sich heutige Kinder darüber wundern dass vorherige Generationen keinen Deutschrap hörten. Dieser Wandel lässt sich nicht aufhalten oder bremsen, und das ist prinzipiell auch gut so, solange die kulturell wertvollen Werke vorheriger Generationen „in Ehren gehalten” werden.