Mein Weg zur Musik

Im Alter von vier Jahren nahm mich meine Mutter mit auf den Tag der offenen Tür in der örtlichen Musikschule. Dort gab es einen Bandproberaum, in dem gerade zwei Männer ein Schlagzeug aufbauten. Ich war völlig fasziniert von den glänzenden Racks, den riesigen Trommeln und dem Doppelbecken des Hi-Hat. Für mich stand fest: Ich werde Schlagzeuger. Kurz nach meinem fünften Geburtstag vermittelte meine Mutter mir dann einen jungen Schlagzeuger als Lehrer. Er war damals im Teenageralter und hatte es nicht immer leicht mit mir. Der Unterricht fiel mir Anfangs sehr schwer, die Noten lesen zu lernen erschien mir gar unmöglich – Doch mit der Zeit und nach vielen Stunden Übung verbesserte ich mich und ich war bald in der Lage, eigenständig Rhytmen zu spielen. Aus Rhytmen wurden ganze Musikstücke und bald bot mir mein Lehrer, der im örtlichen Blasorchester Schlagzeug spielte, die Begleitung des Ensembles an.

Das Zusammenspiel mit anderen Musikern stellte für mich eine große Herausforderung dar. Ich wirkte bei ein Paar Proben des Orchesters mit, gab jedoch nach einiger Zeit auf. Mit dem Austritt aus der Grundschule mangelte es mir und meinem Lehrer bald an Zeit und der Unterricht bei ihm wurde beendet. Meine Mutter meldete mich an einer Musikschule an, wo ich von einem studierten Musiklehrer Unterricht erhielt. An den strengeren Umgangston musste ich mich zunächst gewöhnen – mein erster Lehrer hatte mir sehr viel Geduld entgegengebracht. Doch ich lebte mich ein und machte große Fortschritte. Mein Taktgefühl und meine motorischen Fähigkeiten wurden durch das regelmäßige Musizieren verbessert.

Je mehr ich am Schlagzeug saß, desto besser kam ich mit Problemen klar. Parallel zu meiner Zeit an der Grundschule hatte ich angefangen, alte Hifi-Komponenten zu sammeln. Ein Verstärker und Lautsprecher aus den 80er Jahren, ein billiges Mikrofon und ein alter Kassettenrecorder von meiner Mutter als Aufnahmegerät bildeten mein erstes “Studio” in der damaligen Waschküche. Mit meinem Bruder fing ich an, aus Haushaltsgegenständen eigene Musikinstrumente zu basteln und mit ausrangierten Kopfhörern Tonabnehmer zu bauen. Inspiriert von Kraftwerk, der wohl bekanntesten Elektro-Band der Welt, produzierten wir ohne jegliche digitale Technik unser erstes Album, welches neben Kraftwerk-Coversongs auch eigene Kompositionen enthielt. Ich sammelte immer mehr Technik in der Waschküche an. Irgendwann kam ein PC, dann ein digitales Aufnahmegerät, später ein uraltes analoges Mischpult, mehr Verstärker, Mikrofone, Lautsprecherboxen. Ich informierte mich über das Internet, lud kostenlose Musikprogramme herunter, experimentierte, ohne eine konkrete Ahnung von der Materie zu haben.

Aufgrund zunehmenden Drucks in der Schule rückte mein Hobby zeitweise wieder in den Hintergrund, bis ich 2012 durch Zufall David Guettas Track “The Alphabeat” aus dem Tomorrowland 2012-Album fand. Ich war vollkommen fasziniert. Diese Art der Musik war mir völlig neu. Sofort fing ich an, mich in die Rave-Kultur hineinzulesen und mehr elektronische Musik zu hören. Mein Interesse war durch nichts aufzuhalten, und so verbrachte ich manchmal Nächte mit dem iPod auf den Ohren damit, Musik zu hören und zu analysieren. Ich versuchte, den Sound der bekannten Tomorrowland-Produzenten zu imitieren –  ohne Erfolg. Mir fehlte das Equipment (worüber ich zu dem Zeitpunkt so gut wie nichts wusste), das theoretische Wissen, sowie jegliche praktische Erfahrung.

Eines Tages fand mein Bruder an der Bushaltestelle vor der Schule einen USB-Stick, welchen er mir mitbrachte. als ich ihn an meinen Laptop anschloss, merkte ich, dass er voll mit elektronischer Musik war. Neben mir bekannten Interpreten umfasste die Sammlung eine Vielzahl an Künstlern und Genres, von denen ich noch nie etwas gehört hatte. Mein musikalischer Horizont erweiterte sich enorm und ich lernte mehr und mehr über die Musikproduktion. Als ich dann noch einen neuen Laptop und ein Midi-Keyboard kaufte, startete ich selbst mit der Produktion von “echter” elektronischer Musik. Immer mehr Erfahrung führte zu immer mehr Versuchen, die immer öfter zu einem zufriedenstellenden Klang führten.

Und noch heute lerne ich dazu. Wie man Klavier spielt zum Beispiel, denn ich habe nie Unterricht genommen. Bei meinen ersten Tracks habe ich mich einfach an das Instrument gesetzt und so lange Tasten gedrückt bis ich mit dem Klang zufrieden war. Daraus wurden zumindest grundlegende Kenntnisse von Harmonien und Akkorden, auch wenn ich noch heute kein Klavierstück nach Noten spielen könnte. Insgesamt war mein Weg zur Musik kein geradliniger, sondern eher ein Weg “mit dem Kopf durch die Wand”. Mangels professioneller Ausstattung und umfangreicher Fähigkeiten entwickelte ich meinen eigenen Musikstil, welchen ich durch das Hinzukommen des angemessenen Equipments noch verfeinert habe.

Ich finde, dass mein Weg zur Musik mir nicht nur viel über selbige, sondern auch über das Leben an sich beigebracht hat. Ich habe gelernt, niemals aufzugeben, egal wie widrig die Umstände sind. Denn egal wie lange es dauert, bis man mit dem Ergebnis zufrieden ist: Kreative Tätigkeiten lohnen sich immer.

 

 

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